Enttäuschende Arbeit im Deutschen Werkzeugmuseum

„Ist Arbeit nur ein Selbstzweck oder ist es Teil eines kreativen Prozesses? Wie haben sich Arbeit und die Arbeitszeiten im Laufe der Jahrhunderte verändert?
Welches Wechselspiel zwischen sozialen Bedingungen und Arbeit bestehen?
Zu Arbeit gehört auch Erholung. Heute sagt man „Work-Life-Balance“, wie sah früher der Wochenendausflug aus und was macht man heute zur Erholung?

Die Ausstellung ist Bestandteil des Themenjahres „Ganz viel Arbeit“ der Bergischen Museen.

Ausstellungsdauer 07.06.19-27.10.19 Öffnungszeiten Di – So: 10 – 17 Uhr“

So stand es bei remscheid-live.de. Auf dem Plakat war dann noch ein Foto mit streikenden Feilenhauern zu sehen, das ich damals als großes Originalfoto im Büro hängen hatte.

Angekündigt mit diesen Worten und diesem Foto wurde ich neugierig und fuhr ins Deutsche Werkzeugmuseum.

3.50 Euro Eintritt pro Person und dann ging es in den Saal neben der Dampfmaschine.

Rechts ein paar Schautafeln mit wenigen plakativen Infos und links einige Glasregale mit Arbeits- und Wanderutensilien.

„Wo ist denn die Ausstellung?“, fragte ich die Dame an der Kasse.

Das war die Ausstellung.

Das Deutsche Werkzeugmuseum kann offenbar nur Werkzeuge und keine andere Arbeit. Das Soziale der Arbeitenden kommt nicht vor.

Das muß man akzeptieren.

Fotoausstellungen mit Männern und ihren Werkzeugen sind dort sehenswert aber zum Thema Arbeit und Wandel der Arbeitsbedingungen ist dort bisher keine echte Arbeit zu finden.

Dabei liegen die wesentlichsten Infos gleich nebenan und müßten nur aufgearbeitet werden. Im Stadtarchiv befinden sich die Rechenschaftsberichte der IG Metall, die in den Einführungen zu den jeweiligen Berichten ab Mitte der 90er Jahre bis ins Jahr 2008 dezidiert die furchtbaren Veränderungen und Zerstörungen der vorhandenen Industriestruktur und die seelische und materielle Zerstörung vieler Menschen beschreiben.

Wobei ich heute sagen muß, daß es parallele Welten gibt und dieser Strukturwandel an den anderen Branchen und der Stadt in dieser Form fast völlig unbemerkt vorbei ging – auch an der Politik außer bei ein paar bemerkenswerten Gelegenheiten.

Normalerweise müßte man den Kampf gegen die Agenda 2010 am Beispiel des Lebens von Hans Wiertz beispielhaft dokumentieren, der bis zum Schluß auch die Montagsdemos mit antrieb und der echte Einzige war, der einen solidarischen Schulterschluß mit der gesamten Belegschaft öffentlich und tagsüber praktizierte als Mannesmann geschlossen werden sollte. Aber er hängt eben nicht im Museum und war kein Unternehmer sondern Gewerkschafter. Er liegt auf dem Friedhof und wird überall vergessen, weil er nicht in die neue Zeit passt.

Und dann hat man diese Menschen, die arbeiten wollten, mit der Agenda 2010 auch noch in den Ruin und den Tod getrieben. Sklaventreiber waren Grüne und SPD unter dem Jubel von CDU/CSU und FDP. Aber das wird kein Werkzeugmuseum dokumentieren, dessen Unternehmer ja bis heute davon profitieren.

Aber damit ist dieser Text noch nicht beendet.

Hier sehen Sie einen Ausschnitt aus einem der dort hängenden Plakate:

Da steht ernsthaft, daß die 35 Stunden Woche nicht hielt und man sich in der Regel auf 38,5 Stunden einigte.

Bin ich in einer anderen Welt? Abweichungen von der 35 Stunden Woche, die oft eine Rechengröße war, wurden nur dann gemacht wenn man die Arbeitnehmer erpressen wollte. Das war doch gang und gäbe. Die Verlagerung wurde oft genug durch die Erhöhung der Arbeitszeit vorfinanziert und dann waren die Arbeitsplätze trotzdem weg. Das war politisch gewollt von den meisten Parteien, die immer noch im Bundestag sitzen. Was da steht zeugt entweder von völliger Unkenntnis oder bewußter Fehlinformation. So, damit will ich enden und dieses Thema für mich beenden, weil im Tempel der siegreichen Unternehmer für die Untertanen nie Platz sein wird und die es meist auch nicht besonders interessiert …

Aber für die 5%, die es interessiert, habe ich diesen Text geschrieben.

 

 

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